15. Dezember 2017
03:24 Uhr
Deutschland

„Hier bin ich meinen Träumen auf jeden Fall näher“

Ein Interview mit dem Journalisten Eike Schamburek, der aus Liebe nach Kanada ausgewandert ist

Einen Tag in Island: mehr Zeit konnte Eike Schamburek nicht mit seiner zukünftigen Frau verbringen, als er sie zum ersten Mal traf. Zwei Jahre später wanderte er nach Kanada aus, um mit seiner Liebe zusammen zu leben. Ein Gespräch über Träume und das Glück.

Eike Schamburek lebt seit Juni 2013 in Toronto mit seiner Freundin zusammen. Foto:oh

Du bist freier Journalist - wie hast Du bloß ein Arbeitsvisum für Kanada bekommen?

Eike Schamburek: Ich habe momentan ein Einjahresvisum - ein klassisches Work-and-Travel-Visum. Das kann jeder Deutsche beantragen, der maximal 35 Jahre alt ist. Es gibt pro Jahr rund 5000 dieser Visas nur für Deutsche. Die sind in der Regel aber innerhalb weniger Tage weg.

Was hast Du in Deutschland zurückgelassen?

Eike Schamburek: Fast alles. Ich habe zwei Umzugskartons - vor allem mit Kleidung und Kameraausrüstung - nach Kanada geschickt und bin selbst mit einem großen Rucksack und meinem Rennrad angereist. Der Rest ist in Deutschland geblieben: nicht nur mein Haushalt und meine Arbeit, sondern - und das ist besonders schmerzlich gewesen - auch meine Freunde und meine Familie. Aber das ist ja auch das Tolle an so einem Umzug: ich kann wieder von vorne anfangen.

Warum hat es Dich gereizt, von Vorne anfangen?

Eike Schamburek: Ich habe schon immer in meinem Leben nach Abenteuern gesucht. Es sind solche Schritte, die mein Leben bereichern. In Deutschland hatte ich den Eindruck, dass mein Leben stagniert - das hat mich unglücklich gemacht.

Erinnerst Du Dich an den Moment, in dem Du entschieden hast, nach Kanada auszuwandern?

Eike Schamburek: Die Frage, ob wir irgendwann einmal in einem Land zusammen leben können, stand von Anfang an im Raum - also von da an, als mich meine Freundin in Deutschland das erste Mal besucht hat. Natürlich hatte ich immer wieder Zweifel und ich habe mir auch Alternativen überlegt. Das war kein leichter Schritt, ich hatte in Nürnberg einen Job der mir Spaß gemacht hat und tolle Freunde. Innerlich endgültig entschieden habe ich mich Anfang 2013, kurz bevor mich meine Freundin das letzte Mal in Deutschland besucht hat.

Du beschreibst Kanada in Deinem Blog als Traumland Deiner Kindheit und als "optimale Projektionsfläche für die Sehnsüchte derjenigen, denen das moderne Leben zu hektisch ist und die gerne aussteigen möchten". Bist Du Deinen Träumen in Kanada ein Stück näher gekommen, und hat Dein aktuelles Leben etwas mit diesen Bildern zu tun?

Eike Schamburek: Nicht immer, aber ich habe ja auch nicht nach den Träumen meiner Kindheit gesucht. Toronto hat mit dem verzerrten Bild, das viele Deutsche von Kanada haben, wenig zu tun. Toronto ist eine moderne Großstadt mit vielen sehr hektischen Ecken.

Du sagst „nicht immer“. Wann bist Du es denn?

Eike Schamburek: Die Natur, die Kanada bietet, ist unglaublich. Hier bin ich meinen Träumen auf jeden Fall näher. Aber natürlich ist es auch schön, mit meiner Freundin zusammen zu leben und ein neues Leben aufzubauen.

Was bedeutet Glück für Dich?

Eike Schamburek: Ich sehe Glück nicht als Dauerzustand, das ist eine philosophische Grundhaltung. Ohne unglückliche Momente kann ich glückliche Momente weniger schätzen, beides gehört zum Leben.

Bist Du in Kanada auf der Suche nach dem Glück?

Eike Schamburek: Ich suche jetzt nicht grundsätzlich nach Glück in Kanada. Als ich hier her gekommen bin, habe ich das wegen meiner Beziehung getan. Eine gute Beziehung ist eine Basis für Glück, sie gibt Rückhalt und Liebe. Ich denke, ich habe das Glück mein Leben lang gesucht und immer wieder gefunden. Es gab Dinge, die mich in Deutschland sehr glücklich gemacht haben und es gibt Dinge hier, die mich jetzt glücklich machen.

Eike Schamburek ist im Juni 2013 von Nürnberg nach Toronto ausgewandert, um mit seiner Freundin zusammen zu leben. In Toronto arbeitet er als freier Journalist und Online-Redakteur. In seinem Blog berichtet Schamburek über seine Eindrücke in seiner Wahlheimat. Und im April 2014 heiratet er seine Freundin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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