21. Januar 2018
09:23 Uhr
Deutschland

"Manchmal träume ich von der Schwerelosigkeit"

Der erste deutsche Astronaut erzählt von seiner Reise ins All

NÜRNBERG · Wer dachte, dass es im Weltall still ist, der hat sich getäuscht. „In unserer Raumstation mussten bis zu 30 Ventilatoren arbeiten, um den Sauerstoff gleichmäßig zu verteilen – da herrschte manchmal eine Lautstärke von bis zu achtzig Dezibel “, erinnert sich Sigmund Jähn. Vor 33 Jahren flog er als erster deutscher Astronaut in den Weltraum. Nun erzählte der ältere Herr mit dem verschmitzten Lächeln von seinen Abenteuern.

Als er im August 1978 gemeinsam mit dem russischen Kosmonauten Waleri Bykowski in der Sojus-Rakete abhob, tobte auf der Erde der Kalte Krieg. Für die Propaganda der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war es ein großer Triumph, dass ihr Staatsbürger Jähn als deutscher Pionier dabei war. Für den jungen Familienvater war es vor allem Eines: aufregend.

Angst? Die habe der frühere Kampfflieger der DDR-Luftstreitkräfte nicht gehabt. Aber Fehler wollte er nicht machen. Denn "eine Raumfahrt ist etwas ganz Besonderes. Ich wollte nicht durch eine Unachtsamkeit von mir alles in Gefahr bringen", erinnert er sich. Zwei Jahre lang waren die Kosmonauten schließlich im sogenannten Sternenstädtchen bei Moskau für die große Reise ausgebildet worden. Ausgewählt wurde für das sowjetische Raumfahrtprogramm Interkosmos nur, wer Russisch sprach, Flugerfahrung mitbrachte, flugtauglich und fähig war, die wissenschaftlichen und technischen Experimente durchzuführen.

Sechzehn Sonnenaufgänge pro Tag

In der Ausbildung lernten die zukünftigen Kosmonauten, Ersatzteile an einem Modell der Raumstation auszutauschen, sie probten die wissenschaftlichen Tests, die sie durchführen würden – und sie drehten sich auf einem Drehstuhl. "Da sah man dann schon, wem schlecht wurde. Der war natürlich für einen Flug nicht geeignet", erklärt Jähn. Bis zuletzt habe auch er nicht gewusst, ob er ausgewählt würde oder sein Ausbildungspartner Eberhard Köllner. Doch es gelang ihm: Nach einer Woche und zwanzig Stunden Flug, nach 125 Erdumrundungen und 16 Sonnenaufgängen pro Tag schwebte die Raumstation Saljut 6 vor ihm.

"Es ist das schönste Gefühl, dass man die Erde von der Seite sieht", beschreibt Jähn, "wenn man spürt, dass man weit weg ist vom Heimatplanet." In früheren Jahren habe er Sehnsucht nach dem All gehabt. "Ich habe mir die Schwerelosigkeit vorgestellt und manchmal sogar davon geträumt", gibt er zu. Der Flug zur Saljiut 6 war der einzige Flug Jähns ins All und auch der erste und letzte eines DDR-Bürgers. Fünf Jahre nach ihm startete der erste Astronaut aus Westdeutschland in den Weltraum.

Den heute über 70-Jährigen Jähn hat das All nie mehr losgelassen. Nach seinem Flug arbeitete er als Ausbilder für Astronauten der Nationalen Volksarmee und später als Berater für zum Beispiel die Europäische Weltraumbehörde. Bis heute kennt er die Materie und die jüngeren Kollegen. In der DDR und in der Sowjetunion wurde er als Held verehrt. Jähn selbst will die Raumfahrt nicht als politisches Instrument sehen. "Die Raumfahrt sollte der Wissenschaft dienen. Von der Eroberung des Weltalls halte ich nichts", sagt er und meint damit auch die Idee, Touristen in den Kosmos zu schicken. Und die Zukunft? "Ob wir in Zukunft in die Sterne auswandern können? Ich sage, unsere Erde ist schön genug." 

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